05.02.2026
„Eigentlich ganz einfach“: Gott in drei Personen
CHAM. Wie kann Gott gleichzeitig „einer“ und „drei“ sein? Diese mathematisch anmutende Frage des katholischen Glaubens stand im Mittelpunkt eines Vortrags von Dr. Franz Haringer im Maristenhaus in Cham. Der Theologe und Leiter des Papstgeburtshauses in Marktl am Inn bewies erneut seine Fähigkeit, komplexe Glaubensinhalte lebensnah zu vermitteln.
Unter dem Titel „Der dreifaltige Gott – eigentlich ganz einfach“ räumte Haringer zunächst mit Missverständnissen auf: Dreifaltigkeit bedeute weder die Existenz dreier Götter noch bloße „Masken“ eines Gottes. Vielmehr gehe es um das eine göttliche Wesen, das in drei Personen gelebt und vollzogen wird.
Während Religionen wie der Islam oder das Judentum einen „abstrakten Monotheismus“ pflegen, bietet das Christentum durch die Trinität ein konkreteres und reichhaltigeres Gottesbild. Spuren davon ließen sich bereits im Alten Testament finden, etwa wenn Gott beim Besuch bei Abraham in Gestalt von drei Männern erscheint.
Liebe als Schlüssel zum Verständnis
Der Referent schlug in seinem Vortrag eine Brücke von der Theorie zur Praxis. Das Herzstück des christlichen Gottesbildes ist laut Haringer die Beziehung: „Gott ist Liebe“. Wo Liebe ist, gibt es einen Liebenden (Vater), einen Geliebten (Sohn) und die Frucht dieser Liebe (Geist). Die Dreifaltigkeit sei kein Problem für Fachtheologen, sondern wirkt hinein in unseren menschlichen Alltag. Sie bilde das Fundament für ein modernes Verständnis von Person und Würde. Da Gott selbst in Beziehung lebt, ist auch der Mensch als sein Abbild auf Gemeinschaft und Liebe angelegt.
Zum Abschluss erinnerte Haringer an die Legende des heiligen Augustinus, der am Strand beobachtet, wie ein Knabe versuchte, das Meer mit einer Muschel in ein kleines Loch zu schöpfen – ein Sinnbild für den Versuch des menschlichen Verstandes, das Geheimnis Gottes vollständig zu fassen.
Jürgen Schaumann, als Vertreter des Maristenhauses, bedankte sich herzlich bei dem Referenten mit einem thematisch passendem Geschenk, nämlich 3 Flaschen „Trinitätsbier“.



