Geschichten aus dem Koffer

Kurt Lehner begeistert Alt und Jung im Maristenhaus

Mucksmäuschen still war es im Refektorium des Maristenhauses, als Geschichtenerzähler Kurt Lehner einen Märchenkoffer nach dem anderen öffnete und eine Welt voller Fantasie, Abenteuer, Glück, Liebe und auch Schabernack ausbreitete. Die Zuhörer verfolgten begeistert die Geschichten vom Sultan, der seine Fische nicht bezahlen wollte, vom Hans im Pech, der das Glück am Wegesrand nicht sah, und vom Wolf und Schakal, die um ein Butterfass stritten.

Was vormittags die Schülerinnen und Schüler der 5. Jahrgangsstufe der Marienrealschule in ihren Bann zog, klappte genauso bei den erwachsenen Teilnehmern am Abend. „Ich fühlte mich zurückversetzt in meine Kindheit im Sudetenland, als mir mein Großvater immer Märchen erzählte“, so gestand am Ende eine sichtlich ergriffene Besucherin. Kurt Lehner bewies auf eindrucksvolle Weise, dass die uralte Kunst des Erzählens auch im Zeitalter von Youtube, Playstation und Streaming-Diensten Kinder wie Erwachsene immer noch begeistern und mitreißen kann.

Dazu benötigt der Künstler, der unter der Bezeichnung „Kurtsgeschichten“ in ganz Süddeutschland und Österreich auftritt, ein Minimum an Bühnenbild. Ein paar Koffer, aus denen sich die Geschichten entwickeln, einige Puppen, denen er Leben einhaucht, und als Gesamtkunstwerk seine eigene Person reichen, um die Zuhörer zu fesseln. Viele Geschichten haben einen afrikanischen Ursprung, kein Wunder, wenn man weiß, dass Kurt Lehner neben seiner Tätigkeit als Förderschullehrer und Hospizbegleiter auch regelmäßig als Entwicklungshelfer in Uganda ist. Doch auch das Bairische kam nicht zu kurz: In der Zugabe entschied das Echo der bayerischen Alpen für zwei Bauersleute, wer zur Hochzeitsfeier gehen darf und wer sich zuhause um die Kuh kümmern muss. Das Ergebnis wird hier nicht verraten, denn Kurt Lehner sicherte zu, wieder einmal im Maristenhaus aufzutreten und seine Erzählkoffer für die Chamer zu öffnen.

Als Vertreter des Maristenhauses überreichte Jürgen Schaumann dem Geschichtenerzähler eine Flasche „Münchhausenlikör“ mit den Worten: „Phantasie lügt nicht.“

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